Pilze und Klimawandel: Fast ein Drittel der untersuchten Arten bedroht
Eine neue Studie zeigt: Fast 1 von 3 Pilzarten ist durch Abholzung und Klimawandel vom Aussterben bedroht. Was das für unsere Wälder bedeutet.
Der Klimawandel verändert nicht nur das Wetter, sondern auch die Lebensräume von Pilzen – mit drastischen Folgen: Eine aktuelle Auswertung der IUCN zeigt, dass fast ein Drittel der untersuchten Pilzarten vom Aussterben bedroht ist. Hauptursachen sind Abholzung und die Klimakrise. Für unsere Wälder, die auf Pilze als Partner angewiesen sind, ist das ein Alarmzeichen. In diesem Artikel fassen wir die Meldung von Earth.Org zusammen und ordnen ein, warum Pilze und Klimawandel untrennbar zusammenhängen.
Was die neue Studie über Pilze und Klimawandel sagt
Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) hat erstmals eine umfassende Rote Liste für Pilze erstellt. Das Ergebnis: Rund 30 Prozent der bewerteten Arten gelten als bedroht. Die Haupttreiber sind Entwaldung – etwa durch landwirtschaftliche Expansion – und die Folgen des Klimawandels wie Dürren und Waldbrände. Die Meldung von Earth.Org (2023) fasst die zentralen Zahlen zusammen: Von über 1.300 bewerteten Pilzarten sind knapp 400 in den Kategorien „vom Aussterben bedroht“, „stark gefährdet“ oder „gefährdet“ eingestuft. Besonders betroffen sind Mykorrhiza-Pilze, die in Symbiose mit Bäumen leben. Diese Arten sind nicht nur für das Ökosystem Wald essenziell, sondern auch für die Kohlenstoffspeicherung im Boden.
Warum Pilze und Klimawandel zusammenhängen: Phänologie und Verbreitung
Pilze reagieren empfindlich auf Temperatur- und Niederschlagsänderungen. Viele Arten fruktifizieren früher oder später als noch vor Jahrzehnten – ein Phänomen, das die Mykologie als „Phänologie“ kennt. Ein wärmeres Frühjahr lässt beispielsweise Speisemorcheln früher erscheinen, während Herbstpilze wie der Satans-Röhrling (Rubroboletus satanas) unter Trockenheit leiden. Diese Verschiebungen sind nicht nur für Sammler:innen relevant, sondern verändern auch die Interaktionen im Wald: Wenn Pilze und Bäume aus dem Takt geraten, leidet die Mykorrhiza-Versorgung. Zudem verschieben sich Verbreitungsgebiete: Wärmeliebende Arten wandern nach Norden, während kälteliebende Arten in höhere Lagen gedrängt werden – oft ohne Ausweichmöglichkeit. Der Klimawandel wirkt also doppelt: direkt über Wetterextreme und indirekt über die Veränderung der Wälder.
Waldböden als Schlüssel: Mykorrhiza-Netzwerke und Kohlenstoffspeicher
Pilze sind die heimlichen Herrscher der Waldböden. Mykorrhiza-Pilze verbinden Bäume unterirdisch zu einem Netzwerk, das Nährstoffe und Wasser austauscht – und dabei enorme Mengen Kohlenstoff speichert. Schätzungen zufolge binden Pilze weltweit mehrere Gigatonnen CO₂-Äquivalent pro Jahr. Wenn diese Pilze verschwinden, wird nicht nur die Baumgesundheit beeinträchtigt, sondern auch die Fähigkeit der Wälder, Kohlenstoff zu speichern. Die Abholzung zerstört diese Netze direkt, aber auch der Klimawandel setzt sie unter Stress: Längere Dürreperioden lassen Mykorrhiza-Pilze absterben, bevor sie sich erholen können. Eine Studie aus den USA zeigte, dass nach Dürren die Artenvielfalt der Pilze um bis zu 50 Prozent sinken kann. Umgekehrt können Starkregen und Überschwemmungen die Sauerstoffversorgung im Boden stören – auch das schwächt die Pilzgemeinschaften.
Was die Rote Liste für Pilze bedeutet – und was nicht
Die Rote Liste ist ein wichtiger Schritt, aber sie ist nicht vollständig. Bisher sind nur wenige tausend Pilzarten bewertet – von geschätzt 2,5 Millionen weltweit. Viele Arten sind noch gar nicht beschrieben, geschweige denn in ihrem Gefährdungsstatus erfasst. Das bedeutet: Die tatsächliche Bedrohung könnte sogar höher sein. Gleichzeitig gibt es aber auch Hoffnung: Pilze sind oft widerstandsfähig und können sich schnell anpassen, wenn Lebensräume erhalten bleiben. Entscheidend ist der Schutz intakter Wälder – nicht nur aus Klimasicht, sondern auch für die Biodiversität. Für Pilzliebhaber:innen heißt das: Wer Pilze sammelt, sollte verantwortungsvoll mit dem Lebensraum umgehen und seltene Arten nicht ausreißen, sondern nur mitnehmen, was man sicher bestimmt hat. Einen guten Überblick über Arten und ihre Verbreitung bietet das FungiFind Artenlexikon – dort finden sich auch Steckbriefe zu Arten wie dem Satans-Röhrling, der in Deutschland auf der Vorwarnliste steht.
Wie FungiFind hilft: Klimasignale für die Fundchance nutzen
Gerade weil der Klimawandel das Pilzwachstum beeinflusst, sind aktuelle Daten so wertvoll. Die FungiFind Pilzkarte zeigt, wo und wann Pilze aktuell gemeldet werden – und hilft so, Muster zu erkennen. Unser Wetter-Score bewertet, wie günstig die Bedingungen für Pilzwachstum sind, basierend auf Niederschlag, Temperatur und Bodenfeuchte. Das Saisonmodell prognostiziert, wann bestimmte Arten in Ihrer Region erscheinen könnten – und macht so den Wandel direkt erlebbar. Wer regelmäßig Funde meldet, trägt außerdem dazu bei, die Datenbasis für die Forschung zu verbessern. Denn je mehr wir über die tatsächliche Verbreitung wissen, desto besser können wir Schutzmaßnahmen planen. Weitere Hintergründe und aktuelle Beiträge finden Sie im FungiFind Blog.
Fazit: Pilze und Klimawandel – ein Weckruf für den Wald
Die neue Rote Liste zeigt: Pilze sind massiv vom Klimawandel betroffen – und damit auch die Wälder, die auf sie angewiesen sind. Der Schutz der Pilze ist also nicht nur eine Frage der Artenvielfalt, sondern auch des Klimaschutzes. Jeder kann etwas beitragen: Wälder respektvoll nutzen, Funde melden und sich informieren. Und wer Pilze sammeln möchte, sollte immer auf eine fachkundige Bestimmung achten – dieser Artikel ist rein informativ und ersetzt keine Pilzberatung vor Ort.
Quellen
- [Nearly 1 in 3 Studied Fungi Threatened With Extinction From Deforestation, Climate Change - Earth.Org](https://news.google.com/rss/articles/CBMiqwFBVV95cUxNQUtBUWtpckZsajNtdDFpOEVHSkIzMGhxcWxYaHdfTUtjSkJvZFpzS1pENVozRmswakpqWVJLYXNRcmR4QTJULU5FUmFtNXREWi1mQVhBMmo1SEY0WXFmNnFBS21tbGtUeFdOMjNJWllsQ0JfaVE2dkxNdVZEbm45NFdjU0dJc1hXaXYtR3M3NXRScUtkUlhrSVZlQjFpOEJvNjh2aVZUU3Zkcjg?oc=5
Quellen & weiterführende Links
- Nearly 1 in 3 Studied Fungi Threatened With Extinction From Deforestation, Climate Change - Earth.Org (Google News — Climate & Fungi)
- FungiFind Artenlexikon (internal)