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Globale Weltkarte der Mykorrhiza-Pilznetzwerke: 110 Billiarden Kilometer Pilzfäden im Boden

Erste globale Weltkarte der arbuskulären Mykorrhiza-Pilznetzwerke (Science 2026, SPUN): 110 Billiarden km Hyphen, Kohlenstoff im Boden und was das für…

Ein internationales Forschungsteam hat 2026 in Science die erste globale Weltkarte der arbuskulären Mykorrhiza-Pilznetzwerke veröffentlicht — ein Meilenstein, der das „Wood Wide Web" erstmals in planetarem Maßstab sichtbar macht. Federführend waren die gemeinnützige Organisation SPUN (Society for the Protection of Underground Networks) und das AMOLF-Physikinstitut in Amsterdam. In diesem Artikel fassen wir die Studie zusammen, ordnen die eindrucksvollen Zahlen wissenschaftlich ein und erklären ehrlich, was diese Karte für Pilzfreundinnen und Pilzfreunde bedeutet — und was nicht.

Was die globale Weltkarte der Mykorrhiza-Pilznetzwerke zeigt

Arbuskuläre Mykorrhiza-Pilze (kurz AM-Pilze, botanisch der Stamm Glomeromycota) leben in Symbiose mit rund 70 % aller Pflanzenarten. Sie bilden im Boden feine Fäden — sogenannte Hyphen — und tauschen Nährstoffe wie Phosphor gegen Zucker aus den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen. Das Team trug über 4.000 Messungen aus mehr als 16.000 Bodenproben zusammen, die 9 der 14 globalen Großlebensräume (Biome) abdecken. Mit maschinellem Lernen (Random-Forest-Modelle) sagten die Forschenden die Hyphendichte für jeden Quadratkilometer Landfläche voraus — auch für Regionen, die bislang nie beprobt wurden.

Das Ergebnis ist die erste räumlich aufgelöste Karte dieses unterirdischen Netzwerks. Sie zeigt: Die höchsten Dichten finden sich nicht etwa in tropischen Regenwäldern, sondern häufig in wilden Graslandschaften — vom Tibetischen Hochland bis zu den Prärien Nordamerikas. Wer selbst hineinzoomen möchte, findet die interaktive Darstellung im Underground Atlas von SPUN. Wie räumliche Umwelt-Daten auch in einer Pilz-App zusammenkommen, zeigt die FungiFind Pilzkarte.

Die Zahlen — korrekt eingeordnet

Die Studie liefert Werte, die schwer vorstellbar sind. Damit sie belastbar bleiben, hier die geprüften Größenordnungen:

  • 110 Billiarden Kilometer Hyphen: Aneinandergereiht ergäben die lebenden AM-Hyphen in den obersten 15 cm Boden eine Länge von rund 1,10 × 10¹⁷ km. Das entspricht dem Hunderten-Millionen-fachen der Entfernung Erde–Sonne — eine unterirdische Infrastruktur von planetarer Dimension.
  • ~300 Millionen Tonnen Kohlenstoff: So viel wiegt diese lebende Hyphen-Biomasse in den obersten 15 cm Boden — laut Studie das etwa vier- bis sechsfache der Biomasse aller Menschen.
  • ~1 Milliarde Tonnen Kohlenstoff pro Jahr: So viel Kohlenstoff leiten Pflanzen jährlich in ihre AM-Pilzpartner — das entspricht etwa 3,9 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalent oder rund 11 % der jährlichen Emissionen aus fossilen Brennstoffen.

Ein wichtiger Hinweis zur Genauigkeit: Diese rund 11 % beschreiben den Kohlenstofffluss, den Pflanzen in die Netzwerke einspeisen — nicht eine dauerhaft „gespeicherte" Menge. Ein Teil dieses Kohlenstoffs wird veratmet oder wieder freigesetzt, ein Teil trägt zur langfristigen Bodenkohlenstoff-Bildung bei. AM-Pilze sind damit ein zentraler, aber komplexer Baustein im globalen Kohlenstoffkreislauf — kein simpler CO₂-Speicher. Mehr Hintergrund zu solchen Symbiosen finden Sie im FungiFind Blog.

Ackerbau schwächt die Netzwerke

Ein zentrales Ergebnis betrifft die Landwirtschaft: In Ackerböden lag die Dichte der AM-Hyphen im Schnitt rund 50 % niedriger als in naturnahen Böden (nicht-bewirtschaftete Böden wiesen im Mittel etwa 47 % höhere Dichten auf). Pflügen, Düngung und Fungizide stören die empfindlichen Pilzfäden. Die Autorinnen und Autoren betonen zugleich die Grenzen ihres Modells — Unterschiede in der Bewirtschaftungsintensität konnten nicht vollständig abgebildet werden. Dennoch ist die Richtung klar: Intensive Bodennutzung verringert ein Netzwerk, das für Nährstoffkreisläufe, Bodenstruktur und Kohlenstoffbindung wichtig ist.

Wichtig für Pilzfreunde: AM-Pilze sind nicht die Pilze im Korb

Hier ist wissenschaftliche Ehrlichkeit gefragt — gerade weil die Schlagzeilen leicht in die Irre führen. Arbuskuläre Mykorrhiza-Pilze bilden keine Fruchtkörper, die man sammeln kann. Sie sind mikroskopisch klein und leben vollständig im Boden und in Pflanzenwurzeln.

Die Pilze, die Sammlerinnen und Sammler suchen — Steinpilz (Boletus edulis), Pfifferling (Cantharellus cibarius), Fliegenpilz (Amanita muscaria) und viele andere — gehören zu einer ganz anderen ökologischen Gilde: Sie sind meist Ektomykorrhiza-Pilze (ECM) oder Zersetzer (Saprobionten). Ektomykorrhiza-Pilze umhüllen Baumwurzeln von außen, statt in sie einzudringen wie die AM-Pilze. Die neue Science-Karte beschreibt also die AM-Netzwerke und deren Rolle im Boden-Kohlenstoff — sie ist keine „Fundkarte" für Speisepilze.

Was bleibt für Pilzfreunde relevant? Die Karte erzählt etwas über gesunde Böden und intakte Ökosysteme. Dort, wo unterirdische Pilznetzwerke floriert, sind oft auch die Lebensgrundlagen für Bäume, Wälder und damit indirekt für Speisepilze besser. Für die konkrete Frage „Wo und wann finde ich Steinpilze?" bleiben aber Habitat, Baumpartner, Boden und Wetter entscheidend — genau die Faktoren, die auch in den FungiFind Artenlexikon-Steckbrief für den Steinpilz (Boletus edulis) und in das Score-Modell einfließen. Hilfreich zu wissen: SPUN kartiert im Underground Atlas neben AM- auch Ektomykorrhiza-Biodiversität — diese Daten liegen thematisch näher an den Waldpilzen, sind aber ebenfalls Diversitäts-, keine Fruchtungskarten.

Fazit: Ein unsichtbares Netz von planetarer Bedeutung

Die erste globale Weltkarte der Mykorrhiza-Pilznetzwerke macht sichtbar, wie sehr Leben über der Erde vom Leben darunter abhängt. 110 Billiarden Kilometer Pilzfäden, rund 300 Millionen Tonnen Kohlenstoff, ein Kohlenstofffluss in der Größenordnung von 11 % der fossilen Emissionen — und zugleich eine deutliche Warnung, dass intensive Landwirtschaft diese Netzwerke halbiert. Für uns bei FungiFind ist die Botschaft klar: Gesunde Böden und intakte Ökosysteme sind die Basis für jede Pilzvielfalt. Werfen Sie einen Blick auf die FungiFind Pilzkarte und den Underground Atlas — und bleiben Sie neugierig auf die Welt unter unseren Füßen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell nach wissenschaftlichen Primärquellen geprüft. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Pilzberatung. Pilze niemals allein anhand von Apps oder Texten bestimmen und verzehren — im Zweifel eine Pilzsachverständige oder einen Pilzsachverständigen fragen.

Quellen & weiterführende Links