Taiwans verborgene Riesenwälder: Was sie über Pilze und Klimawandel verraten
Forschende entdecken in Taiwans Bergwäldern 84 Meter hohe Bäume. Die uralten Ökosysteme sind Kohlenstoffspeicher – und ein Schlüssel zum Verständnis von Pilzen…
Zusammenfassung: Ein verlorener Wald in Taiwans Bergen
Wissenschaftler:innen haben in den abgelegenen, steilen Bergregionen Taiwans einen außergewöhnlichen Wald entdeckt: Hunderte riesige Taiwan-Tannen (Taiwania cryptomerioides), darunter ein 84,1 Meter hohes Exemplar – der höchste bekannte Baum Ostasiens. Die Expeditionen, die über Jahre dauerten, kombinierten LiDAR-Kartierung, Bürgerwissenschaft und detektivische Kleinarbeit. Die Forschenden sprechen von „Tempeln der Giganten“, da dutzende dieser Urwaldriesen auf engem Raum zusammenstehen. Diese Wälder gehören zu den kohlenstoffreichsten Ökosystemen der Welt – und genau hier kommt das Thema Pilze Klimawandel ins Spiel: Denn der unterirdische Pilz-Kreislauf spielt eine entscheidende Rolle für das Wachstum und die Widerstandsfähigkeit solcher Wälder.
Die ursprüngliche Meldung erschien am 2. August 2026 auf ScienceDaily (siehe Quellen). Dieser Artikel ist eine redaktionelle Zusammenfassung und Einordnung aus Sicht der Pilzökologie.
Pilze Klimawandel: Warum uralte Wälder wichtige Verbündete sind
Die neu entdeckten Wälder in Taiwan sind nicht nur wegen ihrer Bäume bemerkenswert, sondern auch wegen ihres Beitrags zum globalen Kohlenstoffhaushalt. Bäume speichern Kohlenstoff in ihrer Biomasse – doch ein großer Teil davon steckt auch im Boden, gebunden durch komplexe Pilz-Baum-Interaktionen. Mykorrhiza-Pilze, die mit den Wurzeln der Tannen in Symbiose leben, transportieren Nährstoffe und Wasser, erweitern das Wurzelsystem und helfen den Bäumen, Trockenperioden zu überstehen. Gleichzeitig wirken sie als Kohlenstoffsenke: Sie lagern organisches Material im Boden ab, das sonst als CO₂ freigesetzt würde. In den „verlorenen“ Wäldern Taiwans könnten diese Pilznetzwerke über Jahrhunderte gewachsen sein und so zu den außergewöhnlich hohen Kohlenstoffvorräten beigetragen haben.
Der Klimawandel verändert jedoch die Bedingungen für diese Pilze. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster verschieben die Lebensräume vieler Arten. In unseren Breiten beobachten wir bereits, dass einige Pilzarten früher im Jahr fruktifizieren (Phänologie) und dass wärmeliebende Arten nach Norden wandern. Diese Veränderungen sind nicht nur für Pilzsammler:innen relevant, sondern auch für die Waldgesundheit: Wenn Pilznetzwerke geschwächt werden, können Bäume weniger Wasser und Nährstoffe aufnehmen, was sie anfälliger für Dürre und Schädlinge macht. Die taiwanesischen Riesenwälder bieten eine einzigartige Gelegenheit, solche Zusammenhänge in einem noch weitgehend ungestörten Ökosystem zu untersuchen.
Die Rolle der Mykorrhiza-Netzwerke in Kohlenstoffsenken
Für die Klimaforschung ist entscheidend, wie viel Kohlenstoff ein Wald tatsächlich speichert – ober- und unterirdisch. Die neu kartierten Wälder in Taiwan könnten als Modell dienen, um den Beitrag von Pilzen zu quantifizieren. Studien zeigen, dass Mykorrhiza-Pilze bis zu einem Drittel des im Boden gebundenen Kohlenstoffs mitverantwortlich sein können. Sie stabilisieren Bodenaggregate, fördern die Humusbildung und schützen organisches Material vor mikrobieller Zersetzung. In den dichten „Tempeln der Giganten“ mit ihren hunderten alten Bäumen dürften diese Prozesse besonders effektiv ablaufen.
Gleichzeitig sind solche Ökosysteme fragil: Störungen wie Holzeinschlag oder extreme Wetterereignisse – die durch den Klimawandel häufiger werden – können die Pilznetzwerke zerstören und gespeicherten Kohlenstoff freisetzen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Bäume zu schützen, sondern auch das unsichtbare Bodenleben. Citizen-Science-Projekte und moderne Kartierungstechniken, wie sie auch in Taiwan eingesetzt wurden, können helfen, solche Hotspots zu identifizieren.
Was bedeutet das für Pilzsammler und die FungiFind-App?
Auch wenn die taiwanesischen Riesenwälder weit entfernt sind, haben die Erkenntnisse direkte Auswirkungen auf unsere heimischen Wälder und das Pilzwachstum. Der Klimawandel verschiebt nicht nur die Verbreitungsgebiete von Pilzen, sondern auch ihre Fruktifikationszeiten. Arten wie das Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) fruktifizieren in Mitteleuropa heute oft früher oder später als noch vor Jahrzehnten. Mit der FungiFind Pilzkarte können Sie solche Veränderungen in Ihrer Region beobachten und dokumentieren. Die App zeigt, wo aktuell Pilze gemeldet werden, und hilft dabei, Muster im Zusammenhang mit Wetterdaten zu erkennen.
Der Wetter-Score – den wir im Blog regelmäßig vorstellen – bewertet anhand von Temperatur, Feuchtigkeit und Niederschlag, wie günstig die Bedingungen für Pilzwachstum sind. In Zeiten des Klimawandels wird diese Vorhersage immer wichtiger, da Extremwetter wie Dürren oder Starkregen die Pilzsaison unberechenbar machen. Das FungiFind Artenlexikon bietet zudem Informationen zu vielen Arten, inklusive ihrer ökologischen Ansprüche – so können Sie besser verstehen, warum manche Pilze plötzlich woanders oder gar nicht mehr erscheinen.
Fazit: Pilze als Indikatoren und Verbündete im Klimawandel
Die Entdeckung der Riesenwälder in Taiwan ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie wenig wir noch über die komplexen Ökosysteme unseres Planeten wissen. Sie zeigt aber auch, wie eng Bäume, Pilze und Klima miteinander verwoben sind. Pilze Klimawandel sind kein Widerspruch, sondern eine Einheit: Pilze reagieren empfindlich auf Veränderungen, und sie können uns helfen, die Auswirkungen des Klimawandels zu verstehen und vielleicht sogar abzumildern – etwa durch ihre Rolle als Kohlenstoffspeicher.
Für uns bei FungiFind bedeutet das: Wir wollen diese Zusammenhänge sichtbar machen – durch Beobachtungen, Daten und Bildung. Wenn Sie das nächste Mal durch den Wald streifen, denken Sie daran: Unter Ihren Füßen arbeitet ein gewaltiges Netzwerk, das den Wald am Leben hält. Und mit Ihrer Hilfe können wir besser verstehen, wie es ihm geht.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine fachkundige Pilzberatung. Bei Unsicherheit lassen Sie Funde immer von Expert:innen bestimmen.
Quellen
- ScienceDaily: Scientists went looking for giant trees in Taiwan and found a lost world (News, 2. August 2026)
- FungiFind Pilzkarte (intern)
- FungiFind Blog (intern)
- FungiFind Artenlexikon (intern)
- Wikipedia: Stockschwämmchen (wikipedia)
Quellen & weiterführende Links
- Scientists went looking for giant trees in Taiwan and found a lost world (ScienceDaily — Plants & Animals)
- FungiFind Artenlexikon (internal)
- Stockschwämmchen (wikipedia)