FungiFind FungiFind Logo FungiFind Blog

· Pilze KlimawandelArtenschutzMykorrhizaBiodiversitätWaldsterben

Bedrohte Artenvielfalt: Wie Pilze Klimawandel und Abholzung zum Opfer fallen

Fast jede dritte untersuchte Pilzart ist vom Aussterben bedroht – eine neue Studie zeigt, wie Abholzung und der Klimawandel die unsichtbare Lebensgrundlage…

Die stille Krise unter unseren Füßen: Eine aktuelle Auswertung des Internationalen Naturschutzbundes (IUCN) zeigt, dass fast ein Drittel aller untersuchten Pilzarten vom Aussterben bedroht ist. Haupttreiber sind die globale Entwaldung und der Pilze Klimawandel, der die empfindlichen Lebensräume dieser Organismen fundamental verändert. Für Pilzsammler und Naturfreunde bedeutet dies: Die Arten, die wir heute noch auf unseren Streifzügen durch die Wälder finden, könnten schon in wenigen Jahrzehnten selten geworden sein.

Die unsichtbare Bedrohung: Pilze und Klimawandel im Fokus der Forschung

Die Erde beherbergt schätzungsweise 2,2 bis 3,8 Millionen Pilzarten – doch nur ein Bruchteil ist wissenschaftlich beschrieben. Eine im März 2024 von der IUCN veröffentlichte Studie hat nun erstmals einen repräsentativen Querschnitt von über 1.300 Pilzarten einer systematischen Gefährdungsanalyse unterzogen. Das Ergebnis ist alarmierend: Rund 30 Prozent der untersuchten Arten gelten als bedroht, gefährdet oder potenziell gefährdet. Besonders betroffen sind Mykorrhiza-Pilze, die in Symbiose mit Baumwurzeln leben. Sie sind auf intakte Waldökosysteme angewiesen – und genau diese schwinden durch Abholzung und die Folgen des Pilze Klimawandel rasant.

Die Studie, veröffentlicht von Earth.Org, zeigt, dass die größten Risiken von der Zerstörung der Lebensräume ausgehen. In tropischen Regionen, wo die Abholzungsraten am höchsten sind, sind bis zu 40 Prozent der lokalen Pilzflora bedroht. Gleichzeitig verschieben sich in gemäßigten Breiten durch steigende Temperaturen die Verbreitungsareale vieler Arten nach Norden oder in höhere Lagen. Wer regelmäßig mit der FungiFind Pilzkarte unterwegs ist, kennt das Phänomen: Arten, die früher nur im Süden Deutschlands vorkamen, tauchen plötzlich in Norddeutschland auf – während klassische Begleiter der Fichtenwälder seltener werden.

Wie der Klimawandel das Pilzwachstum beeinflusst

Die Auswirkungen des Pilze Klimawandel sind vielfältig und betreffen nahezu alle Lebensphasen eines Pilzes. Die Phänologie – also das zeitliche Auftreten der Fruchtkörper – verändert sich massiv. Frühjahrs- und Herbstpilze erscheinen heute im Durchschnitt zwei bis drei Wochen früher als noch vor 50 Jahren. Gleichzeitig führen längere Trockenperioden im Sommer dazu, dass viele Arten gar keine Fruchtkörper ausbilden. Starkregenereignisse wiederum können Myzelien schädigen und die Nährstoffaufnahme stören.

Besonders kritisch ist die Situation für Mykorrhiza-Pilze, die auf die Kohlenhydrate ihrer Baumpartner angewiesen sind. In Trockenzeiten reduzieren Bäume ihre Photosyntheseleistung und stellen weniger Zucker für die Pilze bereit. Das geschwächte Myzel kann dann kaum noch Nährstoffe und Wasser an den Baum liefern – ein Teufelskreis, der beide Partner schwächt. Die FungiFind Blog hat bereits mehrfach über solche Wechselwirkungen berichtet. Die neue IUCN-Studie bestätigt nun: Diese Prozesse sind keine lokalen Phänomene, sondern globale Bedrohungen.

Waldböden als Kohlenstoffspeicher in Gefahr

Ein oft übersehener Aspekt ist die Rolle der Pilze im globalen Kohlenstoffkreislauf. Pilze sind die wichtigsten Zersetzer organischer Substanz und speichern enorme Mengen Kohlenstoff im Boden. Mykorrhiza-Netzwerke transportieren bis zu 15 Prozent des von Bäumen gebundenen Kohlenstoffs in den Boden. Wenn diese Netzwerke durch Trockenheit oder Abholzung zusammenbrechen, wird der gebundene Kohlenstoff freigesetzt – eine gefährliche Rückkopplung, die den Klimawandel weiter beschleunigt.

Die IUCN-Studie hebt hervor, dass der Schutz der Pilzvielfalt nicht nur aus Artenschutzgründen dringend ist, sondern auch für die Klimastabilität. Wälder mit intakten Pilzgemeinschaften speichern nachweislich mehr Kohlenstoff als gestörte Ökosysteme. In diesem Zusammenhang gewinnen Apps wie FungiFind an Bedeutung: Sie helfen nicht nur bei der Bestimmung, sondern dokumentieren auch Fundorte und Häufigkeiten. So können Nutzerinnen und Nutzer aktiv zur Überwachung der Artenvielfalt beitragen. Wer etwa einen Falten-Tintling findet, kann über die App melden, ob er in einem Gebiet mit hoher oder niedriger Trockenbelastung steht – wertvolle Daten für die Forschung.

Was bedeutet das für Pilzsammler?

Die Ergebnisse der Studie sind ein Weckruf, aber kein Grund zur Panik. Viele häufige Speisepilze wie Steinpilze oder Pfifferlinge sind aktuell noch nicht akut bedroht – allerdings zeigen auch sie bereits Rückgänge in besonders trockenen Regionen. Wer weiterhin erfolgreich sammeln möchte, sollte sich über die saisonalen Verschiebungen informieren. Die FungiFind Artenlexikon bietet aktuelle Daten zu Vorkommen und optimalen Sammelzeiten. Wichtig ist: Keine Pilze aus übernutzten oder geschädigten Beständen entnehmen, und Rücksicht auf seltene Arten nehmen.

Die Studie macht aber auch deutlich: Pilzschutz ist Waldschutz. Wer sich für den Erhalt alter Wälder, naturnahe Forstwirtschaft und den Kampf gegen den Klimawandel einsetzt, hilft automatisch den Pilzen. Jeder Spaziergang im Wald, jede Meldung eines Fundes in der FungiFind-App und jedes Gespräch über die Bedeutung der Pilze trägt dazu bei, das Bewusstsein für diese unsichtbare, aber überlebenswichtige Lebensform zu schärfen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine professionelle Pilzberatung. Bei Unsicherheiten zur Bestimmung oder Genießbarkeit von Pilzen wenden Sie sich bitte an eine örtliche Pilzberatungsstelle.

Fazit: Handeln, bevor es zu spät ist

Die Nachricht, dass fast ein Drittel der untersuchten Pilzarten vom Aussterben bedroht ist, ist ein Alarmsignal. Der Pilze Klimawandel und die Abholzung der Wälder setzen einer der ältesten und wichtigsten Organismengruppen der Erde massiv zu. Doch es gibt Hoffnung: Durch gezielte Schutzmaßnahmen, nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Unterstützung von Citizen-Science-Projekten wie FungiFind können wir den Trend umkehren. Jeder Fund zählt – und jede Meldung hilft, die Datenbasis zu verbessern, auf die politische Entscheidungen gestützt werden können.

Quellen & weiterführende Links